Essay: Zur Zukunft der Bestattungs- und Friedhofskultur

Die christlichen Religionen spielen heute nicht mehr die Rolle in der Gesellschaft, wie es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Alternative Bestattungsformen werden zunehmend genutzt. Ein Wandel ist auch bezüglich des Angebots und der Preise von Grabsteinen zu beobachten. Seit den 1990er Jahren hat in Deutschland die Verbreitung von Grabsteinen aus Indien und China deutlich zugenommen. Neben den Grabsteinen aus Übersee gibt es mittlerweile auch Grabmale aus ganz anderen Materialien, zum Beispiel aus Holz. Diese und andere Faktoren haben zu einem Wandel unseres Bestattungswesens geführt. Der Essay zur Zukunft der Bestattungs- und Friedhofskultur setzt sich kritisch mit diesen Entwicklungen auseinander.

One thought on “Essay: Zur Zukunft der Bestattungs- und Friedhofskultur

  1. Thomas Bracht

    Dass die Bestattungskultur im Wandel ist, bestreitet wohl niemand. Aber liegt das wirklich nur am schwindenden Transzendenzbezug und einer auch den Umgang mit dem Tod bestimmenden Ökonomisierung? Meiner Erfahrung als evangelischem Gemeindepfarrer entspricht das nicht. Es sind keineswegs nur Kircheferne (im Gegenteil!), die mich in den vergangenen Jahren nach alternativen Bestattungsformen auf unserem gemeindeeigenen Friedhof gefragt haben. Dieser Frage lag in der Regel eine Befürchtung zu Grunde: dass das eigene Grab irgendwann nicht gepflegt wird. Hinter dieser Befürchtung stehen sehr irdische Gegebenheiten: die Kinder sind weit weg (räumlich, manchmal auch emotional), eine Pflege wäre aufwendig (oder teuer, wenn man sie denn einem Friedhofsgärtner übergibt). Zu bedenken ist auch die zunehmende Lebenserwartung: häufig sind hinterbleibende Kinder selbst schon um die 60 – und sie sollen dann auf 20-30 Jahre die Verpflichtung zur Pflege eines Grabes übernehmen? Also werden vermehrt pflegefreie Bestattungsformen (Kolumbarien, Gemeinschaftsgrabstätten) nachgefragt.
    Der Wandel in der Bestattungskultur spiegelt m. E. den Wandel gesellschaftlicher Verhältnisse. In einigen Jahren wird es immer mehr Menschen geben, die (als Folge zerbrechender Ehen oder Beziehungen) als Single sterben; wer soll sich dann eigentlich um deren Gräber kümmern? Eine Bestattung im Kolumbarium ist allemal die bessere Alternative als ein verunkrautetestes „klassisches“ Grab!
    Dem Anliegen der Autoren, den Tod und den Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit wieder mehr ins allgemeine Bewusstsein zu heben, kann ich mich aus ganzem Herzen anschließen, und ist stimme auch zu, dass dabei den Kirchen eine besonders wichtige Rolle zukommt. Ich glaube aber nicht, dass wir die alten Selbstverständlichkeiten in Sachen Bestattungskultur zurückgewinnen können. Bestattungskultur war immer im Wandel – und sie wird es bleiben.

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